Pack-Magazin

Getränkeverpackungen: Individualität und Effizienz im Gleichklang

Bei Getr√§nken muss die Verpackungsbranche zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits erwarten Verbraucher individuell gestaltete Verpackungen, m√∂glichst mit Zusatzfunktionen. Andererseits d√ľrstet es den zunehmend √∂kologisch denkenden Getr√§nke-Konsumenten nach ressourcenschonend und umweltgerecht hergestellten Beh√§ltnissen. Der Branche gelingt der Spagat mit neuen Verpackungskonzepten und effizienter Fertigungstechnik immer besser.

Gastgebern als Mitbringsel einfach nur eine Flasche Sekt oder Wein zu √ľberreichen, ist out. Vollendet schenken und Emotionen wecken mit neuen Materialien und Veredelungen, ist der neueste Trend bei den Pr√§sentverpackungen. Die Firmen in diesem Segment entwickeln Kartons und Faltschachteln, K√∂rbe, Holzkisten, Deko-Artikel und Traget√ľten, um Geschenken besondere Wirkung zu verleihen. So werden zum Beispiel Wein- und Sektflaschen in exklusiven Geschenkkassetten in Echtholz-Haptik und Optik angeboten. Oder es finden sich verlockende Zusatz-Features in den Verpackungen. Etwa ein kleiner Lampenschirm, mit dem die leere Flasche leicht zu einer dekorativen Tischleuchte umfunktioniert werden kann – Exklusivit√§t und Vielfalt sind Trumpf bei den Pr√§sentverpackungen.

Was bei diesem Verpackungssegment gilt, zeigt sich auch auf dem gesamten Getr√§nkemarkt: Wein, Sekt oder Bier allein, abgef√ľllt in Normflaschen, k√∂nnen Verbraucher kaum noch begeistern. Die Auswahl an alkoholischen, Misch- und aromatisierten Getr√§nken und damit auch an extravaganten Flaschen ist mittlerweile so gro√ü, dass es sich der Konsument leisten kann, w√§hlerisch zu sein. Wer ihn √ľberzeugen will, muss mit seinem Produkt auf den ersten Blick aus der Masse hervorstechen. ‚ÄěDie √Ąsthetik – und damit Emotion – r√ľckt bei Verpackungen immer st√§rker in den Vordergrund und spielt beim Warenkonsum eine immer entscheidendere Rolle. In einer komplexen Welt gilt das umso mehr, denn es spart Zeit, wenn der Bauch und nicht der Kopf entscheidet“, sagt Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut, einer Denkfabrik f√ľr Trend- und Zukunftsforschung.

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Unikate: Das direkte Bedrucken von Flaschen ist ein probates Mittel, um Kunden mit individuellen Motiven anzusprechen

Top-Trend Individualität und Differenzierung
Die Mineralwassermarke evian etwa, die von Danone Waters vertrieben wird, treibt immensen Aufwand, um die Einzigartigkeit ihrer Produkte in Szene zu setzen. Sie nutzt bei ihren Prestige-Kunststoffflaschen die neue ‚ÄěNature MultiPack“-Technologie, eine Verpackungsinnovation, die einzelne PET-Flaschen durch die Nutzung spezifischer Klebstoffe so miteinander verbindet, dass sie sich individuell ausrichten und sp√§ter problemlos voneinander l√∂sen lassen. Auch beim Design geht Danone au√üergew√∂hnliche Wege: Zum neunten Mal bringt evian seit 2008 eine Limited Edition heraus, bei der die Wasserflaschen von bekannten Modedesignern entworfen werden. 2016 hat der amerikanische Modesch√∂pfer Alexander Wang das Verpackungsthema Barcode aufgenommen und durch wei√üe und schwarze Streifen auf den Glasflaschen visualisiert. Die Spielr√§ume zwischen den Streifen und das puristische Design sollen die nat√ľrliche Reinheit von evian visualisieren. Doch nicht nur bei Edelmarken stehen Individualit√§t und Differenzierung hoch im Kurs. Immer mehr Getr√§nkehersteller f√ľllen ihre Mineralwasser und Limonaden zus√§tzlich in kleinere 0,5-Liter-Mehrwegflaschen, damit auch kleinere Haushalte zugreifen, oder sie bieten ihr Produkt √ľberdies in edlen Facettenflaschen an, um etwa in der gehobenen Gastronomie zum Zuge zu kommen.

Extravagante Verpackungen bringen bei allem Nutzen aber auch Nachteile mit sich. Denn je individueller und facettenreicher die Produkte verpackt sind, desto aufwendiger und teurer ist die Verpackungsproduktion. Die h√∂heren Herstellungskosten werden letztlich in Form h√∂herer Preise an die Kunden weitergereicht – ein Punkt, den Verbrauchersch√ľtzer h√§ufig kritisieren. Au√üerdem belasten aufwendige Fertigungsverfahren und Einwegflaschen die Umwelt. Um diese Belastung zu minimieren, haben sich einige L√§nder teils ehrgeizige Mehrwegquoten zum Ziel gesetzt. Deutschland zum Beispiel will 80 Prozent erreichen, doch ist die Quote hier stattdessen seit 2004 von zwei Drittel auf 45 Prozent gesunken. Gleichzeitig hat die Abfallmenge aus Getr√§nke-Einwegverpackungen seitdem um rund 30 Prozent zugenommen. Nach aktuellen Daten der deutschen Bundesregierung stieg der Verpackungsverbrauch von knapp 465.000 Tonnen damals auf 600.300 Tonnen 2014. Die Ursachen des Einwegbooms werden bei H√§ndlern und Herstellern gesehen. Gerade beim Mineralwasser finden in Getr√§nke- und Superm√§rkten Preisk√§mpfe statt, aber die Sonderangebote funktionieren nur mit Einwegflaschen, da das Sammeln, Reinigen und Wiederbef√ľllen von Plastikflaschen aufwendig ist. Politiker fordern daher unter anderem, den Einwegpfand zu einer √∂kologischen Lenkungsabgabe auf Einwegverpackungen weiterzuentwickeln und die Pfandpflicht auf S√§fte und Nektare auszuweiten.

Ressourceneffiziente Verpackungstechnik gefragt
Auch die Verpackungshersteller stehen in der Pflicht. Sie m√ľssen den Spagat schaffen, Gebinde einerseits wirkungsvoll in Szene zu setzen und konsumentenfreundlich zu konzipieren und andererseits Rohstoffe zu sparen und somit die Umwelt zu entlasten. Damit steigen auch die Anforderungen an die Verpackungsmaschinen. ‚ÄěEin verantwortungsbewusster Umgang mit nat√ľrlichen Ressourcen und umweltschonendes Wirtschaften hat bei Herstellern von Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen einen hohen Stellenwert. Sie wissen, dass nachhaltige Produktionsprozesse bei ihren Kunden gro√ügeschrieben werden“, sagt Vera Fritsche, Referentin im VDMA Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen. Intelligente Steuerungs- und Automatisierungstechnik, sparsame Antriebe, Kompressoren, L√ľfter oder Pumpen z√§hlten zu den klassischen L√∂sungen, um Strom und Betriebsmittel einzusparen und die Energieeffizienz zu steigern. Effiziente Motoren, optimal an die Bewegungen und Beschleunigungsvorg√§nge in den Maschinen angepasst, senkten den Stromverbrauch. Dar√ľber hinaus senkten innovative und optimierte Prozesse den Verbrauch von Energie und Wasser, verl√§ngerten innovative Maschinenkonzepte die Service- und Wartungsintervalle sowie die Betriebsdauer und sparten dadurch Energie ein, so Fritsche.

Upcycling – zweites Leben f√ľr Verpackungen
Dass Umweltschutz in der Getr√§nkebranche inzwischen zu einem bestimmenden Faktor geworden ist und sogar gewinnbringend eingesetzt werden kann, zeigt das Beispiel des Smoothie-Herstellers True Fruits. Im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern f√ľllt er seine Drinks nicht in Plastik-, sondern in keramisch bedruckte, zylindrische 250 und 750 Milliliter Glasflaschen ab, um mit dem puristischen Design gefragte Werte wie Ehrlichkeit, Reinheit, Hochwertigkeit und Transparenz zu vermitteln. Damit die Flaschen nach dem Verzehr des Getr√§nks nicht einfach im Glascontainer entsorgt werden, hat sich das True Fruits-Team Gedanken um die Wiederverwertung der Flaschen gemacht. Die L√∂sung fanden sie im sogenannten Upcycling, bei dem der eigentlich verbrauchte Gegenstand als Material f√ľr ein neues Produkt genutzt wird. True Fruits entwickelt Aufs√§tze, die sich einfach auf die geleerten Flaschen setzen lassen: Bisher bietet die Firma Permanent-Verschl√ľsse, einen Streuer f√ľr Zucker, Salz und Gew√ľrze, einen Gie√üer f√ľr √Ėle, Essig und Saucen sowie ein Teesieb an. Die Kombination aus Vitaminen, Extravaganz und Nachhaltigkeit kommt bei Kunden offensichtlich gut an: True Fruits z√§hlt mittlerweile zu den Marktf√ľhrern bei den Smoothies.

Einen anderen Ansatz f√ľr √∂kologische Getr√§nkeverpackungen bietet Biokunststoff. Coca-Cola stellte im Vorjahr die neue Generation der ‚ÄěPlantBottle™“ aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen vor und k√ľndigte eine baldige Markteinf√ľhrung an. Diese biobasierten Materialien der sogenannten ‚ÄěFirst Generation“ sollen langfristig aus Biomasse hergestellt werden, zum Beispiel aus Holzabf√§llen. Wissenschaftler der Universit√§t Hohenheim erproben in einem Forschungsvorhaben einen anderen viel versprechenden nat√ľrlichen Rohstoff als Flaschenmaterial – Chicor√©e-Wurzelr√ľben, die bisher zur Biogaserzeugung eingesetzt werden. Die nicht genie√übare Wurzelr√ľbe macht 30 Prozent der Pflanze aus. Aus ihr gewinnen die Forscher ungereinigtes Hydroxymethylfurfural (HMF), das zur Herstellung der sogenannten PEF-Flaschen verwendet werden kann.

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Drei in einem: Mit dem KHS InnoPET TriBlock hat KHS eine Abf√ľll- und Verpackungsl√∂sung f√ľr PET-Flaschen auf den Markt gebracht, die eine Streckblasmaschine, einen Etikettierer und einen F√ľller integriert.

Innovationspotenzial in der Produktion
Bis Pflanzenflaschen die bisher g√§ngigen PET-Flaschen abl√∂sen, ist aber noch einige Entwicklungsarbeit n√∂tig. Hohes Kostensenkungspotenzial besteht aber nicht nur bei den Materialien, sondern auch beim Produktionsequipment. Deshalb arbeitet die Industrie akribisch an der Verbesserung ihrer Produktionsmethoden. Ein Beispiel bietet die von der Firma Krones ausger√ľstete Teefabrik der t√ľrkischen Firma Dogus Cay in Izmir. 2015 nahm sie am Standort Izmir/√Ėdemis eine sogenannte NitroHotfill Anlage von Krones mit einer Leistung von 22.500 Beh√§ltern pro Stunde in Betrieb. Ein Jahr nach der Installation startete ein Krones-Team vor Ort an der Anlage einen Versuch zur Verbesserung des Druckluftsystems. Nach einem Upgrade und einer einfachen Optimierung der Blasmaschine Contiform 3 ging die Anlage wieder in den normalen Betrieb. Ein Testlauf erzielte nach Unternehmensangaben au√üergew√∂hnliche Ergebnisse: Bei gleicher Beh√§lterqualit√§t konnten durch die Ma√ünahme Einsparungen beim Druckluftverbrauch von 44 Prozent erzielt werden. Das Upgrade spare bares Geld, rund 40.000 Euro pro Jahr bei einer kalkulierten Maschinenlaufzeit von 6.000 Stunden pro Jahr.

Auch die Dortmunder Firma KHS zeigt, dass das Innovationspotenzial von Produktionsanlagen l√§ngst nicht ausgereizt ist. Das Unternehmen Mineralbrunnen Teinach nutzt zur Herstellung von PET-Flaschen seit 2007 die KHS-Streckblasmaschine InnoPET Blomax Serie III. Um den Energieverbrauch der Anlage zu senken, bauten die KHS-Experten deren Heizkasten um, in dem die PET-Preforms f√ľr das nachfolgende Steckblasen erhitzt werden. Der Effekt: F√ľr die Mineralbrunnen Teinach GmbH ergab sich dadurch eine Energieeinsparung von mehr als 40 Prozent. Konkret erm√∂glicht h√§tten diese Einsparungen neue Reflektoren aus moderner Keramik und eine pr√§zise angepasste Geometrie in den Heizk√§sten, erkl√§rt Frank Goebel, Head of Service Engineering bei KHS. Die physikalischen Eigenschaften der Keramikelemente verbesserten durch die spezielle Konstruktion die Energieverteilung sehr positiv, sodass weniger Energie zum Erw√§rmen der Preforms ben√∂tigt werde. Reflektoren und Infrarotstrahler seien zudem so aufgebaut, dass der sensible Gewindebereich der Flasche nicht unn√∂tig erw√§rmt werde. Die K√ľhlung dieses Bereiches k√∂nne reduziert werden, wodurch in Teinach zus√§tzlich Energie gespart werde. ‚ÄěDurch die h√∂here Effizienz ist es oftmals m√∂glich, die Heizstrecke zu verk√ľrzen“, erkl√§rt Goebel. Wenn im Ofen somit weniger Heizelemente notwendig sind, dann sinkt in der Folge auch der Energieverbrauch durch Infrarotstrahler.

Quelle: www.interpack.de

 

 

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