Pack-Magazin

S√ľ√ü- und Backwaren-Verpackungen: Auffallen – aber nicht um jeden Preis

Zwar steigt der Konsum von S√ľ√ü- und Backwaren kontinuierlich, gleichzeitig aber auch die Anspr√ľche der Verbraucher. Sie wollen nicht nur geschmacklich verf√ľhrt werden, sondern stellen auch immer h√∂here Anforderungen an die Verpackung: Sie muss Extravaganz und zus√§tzliche Funktionen bieten, soll aber auch mit √∂kologischer Weitsicht produziert sein. Das zwingt die Hersteller von S√ľ√üem und Backwaren zu Kreativit√§t und Effizienz. Die gute Nachricht: Die Verpackungsproduzenten und Maschinenbauer k√∂nnen mit materialsparenden Verpackungsl√∂sungen und effizienteren Produktionslinien helfen.

Was tut die S√ľ√üwaren-Industrie nicht alles, um Konsumenten von ihren Produkten zu √ľberzeugen? Schokolade und Co. appetitlich zu verpacken und den Geschmack f√ľr das Produkt sprechen zu lassen, reicht mittlerweile nicht mehr aus. Um Konsumenten zu k√∂dern, greifen Hersteller heute viel tiefer in Trickkiste: Zu den neuesten Trends z√§hlen kurzweilige Videos und Spots rund um das Produkt, die sich Verbraucher w√§hrend des Genusses anschauen k√∂nnen. Einer der Vorreiter des sogenannten ‚ÄěSnackertainments“, bei dem reale und digitale Welt verschmelzen, ist Lebensmittelriese Nestl√©. Er hat im Rahmen einer Marketingkampagne mit dem Internet-Riesen Google die roten rechteckigen Verpackungen des Pausensnacks KitKat mit QR-Codes bedrucken lassen, die direkt zum eigenen YouTube Channel ‚ÄěYouTube my Break“ f√ľhren. Dort werden die User abwechslungsreich unterhalten – und so auf geschickte Weise an das Produkt gebunden.

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Was nehmen? Die Produktauswahl ist riesig. Marken und auffällig verpackte Waren kommen am besten an.

Das Besondere an der Aktion: Das auff√§llige, markenstiftende Logo KitKat auf der Mitte der Verpackung wurde f√ľr die Sonderedition entfernt, damit YouTube den zentralen Platz einnehmen konnte. Au√üerdem erhielt Googles Betriebssystem Android nach Cupcake, Donut, Eclair, Froyo, Gingerbread, Honeycomb, Ice Cream Sandwich und Jelly Bean mit KitKat erstmals in der Geschichte einen Markennamen. Dass Nestl√© f√ľr dieses Privileg tief in die Tasche gegriffen hat, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Damit unterstreicht der Konzern, was Experten und Untersuchungen zuletzt immer wieder herausgestellt haben: Der Verpackung kommt als Markenbotschafterin heute elementare Bedeutung zu – gerade im Bereich der S√ľ√üwaren. ‚ÄěDie Produktvielfalt steigt, der Wettbewerb wird h√§rter. Wer auf dem S√ľ√üwarenmarkt Erfolg haben will, muss sein Produkt gut pr√§sentieren“, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen S√ľ√üwarenindustrie (BDSI).

Das gilt umso mehr, als die Auswahl an Nasch- und Backwerk am Point of Sale stetig w√§chst. Immer h√§ufiger erg√§nzen zuckerfreie oder zucker- und fettreduzierte S√ľ√üwaren die bereits seit vielen Jahren bestehenden Traditionsprodukte. Auch das Angebot von S√ľ√üwaren, die f√ľr vegetarische oder vegane Ern√§hrung geeignet sind, nimmt weiter zu. In fast jedem Supermarkt finden sich au√üerdem S√ľ√üwaren, die gluten- oder laktosefrei oder auch halal bzw. koscher sind. Auch im Bereich der Knabberartikel gibt es nach Angaben des BDSI ein immer differenzierteres Angebot und eine gro√üe geschmackliche Auswahl – sei es an N√ľssen, an frittierten oder auch an gebackenen salzigen Snacks. ‚ÄěBei dieser gro√üen Vielfalt findet jeder Verbraucher das f√ľr ihn passende Produkt“, sagt Erbrath. ‚ÄěDie Verpackung ebnet den Weg in den Einkaufswagen.“ Verpackungsdesigner stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe: Sie m√ľssen das Naschwerk mit pfiffigen Slogans nach M√∂glichkeit multimedial bekannt machen und im Regal mit auff√§lligen Farben und Formen ins Szene setzen.

Allerdings gilt es, beim Ringen um Pr√§senz nicht zu √ľbertreiben. Denn √ľberm√§√üiger Einsatz von Material und damit Ressourcen kommen beim Verbraucher nicht gut an. ‚ÄěDie Kunden legen immer mehr Wert darauf, ihren √∂kologischen Fu√üabdruck m√∂glichst klein zu halten. Au√üerdem haben sie einen starken Wunsch nach gesunden, ultra-frischen Lebensmitteln, die gleichzeitig extrem convenient und √§sthetisch verpackt sein sollen“, sagt Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut, einer Denkfabrik f√ľr Trend- und Zukunftsforschung. Doch nicht nur aus √∂kologischen, sondern auch aus Kostengr√ľnden sollte die Industrie auf allzu ausladende und aufwendig produzierte Verpackungen verzichten. Denn einerseits steigen die Preise f√ľr Rohstoffe wie Milch, Kakao und Zucker, anderseits werden Energie und Verpackungsmaterialien immer teurer.

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Klasse und Masse: Moderne Fertigungslinien produzieren Schokolade und S√ľ√üwaren verl√§sslich und schnell.

Um Verbraucher, die sich nachhaltig produzierte Waren w√ľnschen, weiter an sich zu binden, und Material- und Fertigungskosten nicht ausufern zu lassen, hat die Industrie keine Alternative: Sie muss Material sparen und vor allem allzu ausladende Verpackungen vermeiden und zudem energiesparender produzieren. Dass das sogenannte Material-Down-Sizing m√∂glich ist, zeigen Untersuchungen des internationalen Beratungsunternehmens pacproject. Es hat beispielhaft die historischen Verpackungen der bekannten Corny-M√ľsliriegel unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die Barriere-Aluminiumfolie der Verpackung des Produkts in den vergangenen 30 Jahren stetig reduziert und schlie√ülich durch einen neuen Barriere-Verbund substituiert wurde – ohne negative Auswirkungen auf das Produkt. ‚ÄěAuch ohne den vollen Barriereschutz befand sich der Corny-Riegel am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums qualitativ im sehr guten Bereich. Dies hat die Frage aufgeworfen, ob nicht auch die aktuellen Folien mehr Schutz und Barrieren bieten, als der Cerealien-Riegel eigentlich ben√∂tigt“, sagt pacproject-Verpackungsingenieur Alexander Witt.

Alternativen zu klassischen Verpackungsmaterialien wie Aluminium und Kunststoff gewinnen auf dem Markt bereits zunehmend an Bedeutung. Die Firma Bionatic etwa hat unter dem Namen Greenbox ein erstes Sortiment von rund 250 verschiedenen Verpackungsl√∂sungen aus erneuerbaren oder recycelten Rohstoffen wie Holz, Cellulose, Biokunststoff und Palmblatt entwickelt. Viele dieser L√∂sungen seien biologisch abbaubar oder umweltfreundlich in der Verbrennung, sagt Bionatic-Gr√ľnder Robert Czichos. Und die Produktion sei simpel: ‚ÄěAus einem Blatt wird eine Verpackung, indem es zun√§chst mit Wasser unter Hochdruck gereinigt wird. Dann wird es in einer mechanischen Presse mit Druck und W√§rme in eine Form gebracht. Es ist also ein sogenannter Tiefziehvorgang. Danach folgt das Finishing, indem die Kanten geschliffen und die Fl√§chen poliert werden. Und das ist dann auch schon alles.“

Unterdessen suchen Wissenschaftler nach weiteren alternativen Materialien. So arbeitet das Fraunhofer-Institut f√ľr Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) im Rahmen des Projekts ThermoWhey an einem Herstellverfahren f√ľr Barrierebeschichtungen aus Molkeprotein, das die herk√∂mmliche √∂lhaltigen Polymerbeschichtungen ersetzt. Der Vorteil von Molke: Ihre Inhaltsstoffe k√∂nnen die Haltbarkeit von Lebensmitteln nat√ľrlich verl√§ngern. Allerdings ist Molke hitzeempfindlich, sodass die Forscher erst eine Beschichtungsformulierung finden m√ľssen, die sich auch bei hohen Temperaturen verarbeiten l√§sst.

Noch b√∂ten sich in der S√ľ√üwarenproduktion zahlreiche Optimierungsm√∂glichkeiten. Intelligente Steuerungs- und Automatisierungstechnik, sparsame Antriebe, Kompressoren, L√ľfter oder Pumpen z√§hlten zu den klassischen L√∂sungen, um Strom und Betriebsmittel einzusparen und die Energieeffizienz zu steigern. Effiziente Motoren, optimal an die Bewegungen und Beschleunigungsvorg√§nge in den Maschinen angepasst, senkten den Stromverbrauch. Dar√ľber hinaus senkten innovative und optimierte Prozesse den Verbrauch von Energie und Wasser, verl√§ngerten innovative Maschinenkonzepte die Service- und Wartungsintervalle sowie die Betriebsdauer und sparten dadurch Energie ein, so Fritsche.

Der Schweizer Anlagenbauer B√ľhler z√§hlt zu den Protagonisten effizienter Verarbeitungsl√∂sungen und hat sich zum Ziel gesetzt, den Energiebedarf in allen seinen Kernprozessen bis 2020 um mindestens weitere 20 Prozent zu reduzieren. ‚ÄěDamit k√∂nnen wir sowohl die Energieeffizienz unserer Produkte erh√∂hen als auch gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz leisten“, sagt Ian Roberts, Technikchef des Konzerns. Einen zentralen Aspekt sieht er dabei in der Produktivit√§t, etwa durch Verk√ľrzung der Zykluszeiten. Zudem verst√§rkt B√ľhler die Anstrengungen, um die Energieeffizienz in bestehenden Kundenanlagen zu verbessern. So ist die Schokoladenherstellung aufgrund der zahlreichen Prozessschritte wie das Reinigen, R√∂sten, Debakterisieren, Brechen und Vermahlen der Kakaobohnen sehr aufwendig und teuer. B√ľhler verspricht, die Energiekosten der Kakaoverarbeitung um 65 Prozent zu senken, wenn Kunden einerseits das kostenlose Energy Audit des Unternehmens nutzen und andererseits seine neue Schalenverbrennungstechnik zum Einsatz kommt. Bei dem Audit werden Energielecks im Herstellungsprozess aufgesp√ľrt. Das neue Verbrennungssystem nutzt die aus den Schalen gewonnene Energie zur R√∂stung und Debakterisierung anstatt die Schalen direkt zu entsorgen – dadurch muss keine Heizenergie zugekauft werden.

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Effizient: Zur Schokoladenproduktion m√ľssen zun√§chst die Kakaobohnen behandelt werden. Hier sind energiesparende Anlagen gefragt.

Auch Theegarten-Pactec treibt Maschinenl√∂sungen mit hohem Einsatz voran, die Kunden bei Kostenersparnissen helfen. Dabei fokussiert sich die Firma unter anderem auf das Thema Industrie 4.0, also die Digitalisierung der Produktion und eine bessere Kommunikation zwischen Mensch und Maschine und Maschine und Maschine mithilfe neuester Software. ‚ÄěProduktionsprozesse transparent zu gestalten, wichtige Daten immer abrufbar zu haben, diese richtig zu analysieren und schlussendlich die richtigen Handlungsschritte abzuleiten, birgt ein gro√ües Potenzial zur Effizienzsteigerung in sich“, sagt Theegarten-Chef Markus Rustler. Zu diesem Zweck habe das Unternehmen bereits 2011 begonnen, sein User Interface und die damit verbundene Aufbereitung der Daten f√ľr den Maschinen-Operator und das Management zu √ľberarbeiten. ‚ÄěSomit haben wir eine Plattform geschaffen, welche die Performance unserer Anlagen transparenter macht. Somit k√∂nnen beispielsweise Effizienzverluste in Korrelation zu Zeit, Umgebungstemperatur oder anderen Parametern gesetzt werden und die Fehlersuche und Hilfe zur Selbsthilfe unterst√ľtzt werden“, so Rustler. Au√üerdem sei die intuitive Unterst√ľtzung der Wartungs- und Reinigungsprozesse optimiert worden, etwa, indem die Maschine selbstst√§ndig auf Service- und Wartungsintervalle hinweise. Der Vorteil von Automation und Digitalisierung: Die kommunikationstechnisch verketteten Maschinen k√∂nnten durch wenige oder sogar nur einen Operator bedient werden. Und durch Integration des User Interface in mobile Endger√§te k√∂nnten die Maschinendaten von jedem Punkt der Welt abgerufen und bearbeitet werden, sagt Rustler.

Die Schweizer Firma Knobel Maschinenbau, Spezialist f√ľr Maschinen zur Schokoladenherstellung, hilft Herstellern auf andere Weise, Kosten zu sparen. Er bietet seine Anlagen – Eintafel-Anlagen, Gie√ümaschinen und andere Ger√§te – im Baukastenprinzip an, sodass Kunden ihre Produktion schrittweise aufbauen und bei Bedarf punktuell in Segmenten umr√ľsten k√∂nnen. Das erm√∂glicht ihnen eine hohe Flexibilit√§t und erlaubt ihnen somit eine schnelle und effiziente Umstellung auf neue Produkte. Schnelle Umr√ľstzeiten w√ľrden auch dadurch erm√∂glicht, dass neue Maschinen mit Plug-and-Play einfach im System integriert werden k√∂nnten, hei√üt es bei Knobel.

Die Maschinenbauer haben sich mit zahlreichen, effizienzsteigernden Neuerungen auf die Anforderungen der Hersteller von S√ľ√ü- und Backwaren eingestellt. Damit k√∂nnen sie nicht nur bei der Wahl der Verpackungsmaterialien, sondern auch bei der Modernisierung ihrer Linien aus dem Vollen sch√∂pfen. Auf der interpack k√∂nnen sie sich von diesen Innovationen ein genaues Bild machen.

Quelle: www.interpack.de 

 

 

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